Montag, 21. Mai 2012

Sie nennen sich Ärzte

Ich habe es einfach für ein Fake gehalten, für eine Fälschung, das Flugblatt, das da auf dem Katholikentag in Mannheim kursierte. Aber nein, ich musste mich eines Besseren belehren lassen. Der Bund Katholischer Ärzte bietet Möglichkeiten zur "Behandlung von Homosexualität". Auch auf der Website des Verbands: Link. Dass Katholiken in überkommenden Traditionen feststeckende Menschen sind, dass katholische Funktionäre die Bequemlichkeit des Handelns nach Vorschrift dem selbsttätigen Denken vorziehen, das habe ich schon oft geschrieben und begründet. Aber diese Zusammenfassung und und homophobe Anleitung schlägt dem Fass den Boden aus! Willkommen auf der ersten Stufe der Euthanasie.

Die so genannten Ärzte und ihr katholischer Verband behaupten, Homosexualität sei abnormal und müsse deshalb aus der Welt geschaffen werden. Zitat: "Eine Mehrheit der Psychotherapeuten sagt, Homosexualität sei angeboren und nicht heilbar, eine Minderheit sagt, Homosexualität sei erworben und damit behandelbar." Der Bund Katholischer Ärzte gehört nach eigenen Bekunden zur Minderheit und denkt, Homosexualität sei behandelbar. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen: "Auch oder gerade, weil seit einigen Jahren Homosexualität nicht mehr als 'Krankheit' gilt." Wie wahr, die Welt hat irgendwann gemerkt, dass Schwule und Lesben und alle irgendwo dazwischen vor allem eines sind: Menschen. Nicht behandlungsbedürftig, nur nicht so, wie die Kirche sie gerne hätte.

Es stellt sich mir die Frage, wieso jemand Arzt ist, wenn er Homosexualität als Krankheit ansieht - auch wenn er das nicht mehr wörtlich behauptet. Solchen Typen gehört im Prinzip die Approbation entzogen, schließlich bekämpfen sie wegen ihrer Ideologie nicht nur die moderne Gesellschaft, sondern vergehen sich an Menschen, die anders sind. Wer gegen Homosexuelle vorgeht, hat in einem weißen Kittel nichts zu suchen.

Und wenn wir schon bei den Ungeheuerlichkeiten des Bunds Katholischer Ärzte sind, dann liste ich hier noch komplett auf, was auf der Website erscheint, wenn man im Suchfeld das Wort "Pädophilie" eingibt: "KEINE Ergebnisse gefunden." Kinderficker sind zumindest mal kein Schwerpunkt bei den Katholiken.

Morgen früh werde ich meiner Mutter anrufen und ihr mitteilen, sie habe sofort aus der katholischen Kirche auszutreten.

Montag, 30. April 2012

Anders Behring Breivik

Anders Behring Breivik ist ein mutmaßlicher norwegischer Verbrecher, Nationalsozialist und Massenmörder. Ihm wird vorgeworfen, für den Tod von 77 Menschen am 22. Juli 2011 verantwortlich zu sein. Und er hat selbst gesagt, dass er die Taten, einen Bombenanschlag und anschließend einen Überfall mit Feuerwaffen, begangen habe. Es stellt sich nun also die Frage: Was wäre eine gerechte Strafe? "Hängt ihn auf!" Klar, wer kurz denkt, kommt zu diesem Ergebnis. Wahlweise mit einer anderen Todesart, die man aus Western und anderen Kinofilmen kennt.

Manch einer denkt, er gehe differenziert vor und fordert "Wie Du mir, so ich Dir." Ist eine Abwandlung des christlichen Irrtums "Auge um Auge, Zahn um Zahn" und wird außer in Ländern, die ihr Rechtssystem der Scharia entnehmen, vor allem in einem weiteren westlichen Gottesstaat angewandt: In den USA. Nichts, wonach ein aufgeklärter Geist sich sehnen müsste. Kommt ja noch "Sperrt ihn weg. Und zwar für immer!" an die Reihe. Das trifft's ganz gut, viele Länder haben für so einen Fall ja die lebenslange Freiheitsstrafe im Katalog stehen. Norwegen aber nicht. Und jetzt?

Gesetze werden vom Gesetzgeber gemacht. Und manchmal dann wieder - meist zurecht - von einem Gericht gekippt. So geschehen mit der nachträglichen Sicherheitsverwahrung in Deutschland. Auch da hatte der Staat, angetrieben vom Populismus mancher Medien, der CSU und Abgeordneten, die gerne auch von den Bild-Lesern in ihrem Wahlkreis die Stimme wollten, versucht, lebenslang Weggesperrte noch länger wegzusperren. Lebenslang, das heißt in den meisten Fällen irgend etwas um die 25 Jahre und das ist schon ziemlich lang. Wer sich vor Augen hält, dass Strafe Sühne und nicht Rache sein soll, der hält ein Vierteljahrhundert schon für eine nicht unangemessene Zeit. So sehen es auch die Norweger und deshalb ist dort die Maximalstrafe auf 25 Jahre festgelegt. Der Versuch der nachträglich verhängten Sicherungsverwahrung - er ging schief. Wie so vieles.

Nun könnten natürlich auch in Oslo die Winkeladvokaten, Populisten und Polit-Amateure auf den plan treten und irgendwie hinbiegen, dass Anders Behring Breivik länger hinter Gitter kommt. Vorausgesetzt, er wird schuldig gesprochen. Aber Norwegen täte gut daran, wenn es seine Gesetze achten würde. Der Rechtsstaat zeichnet sich dadurch aus, dass er Gesetze respektiert. Auch dann, wenn sie manchem zuwider laufen. Und jedes Mal wenn ein Gesetz geachtet wird, ist das ein kleiner Gewinn für den Rechtsstaat. Auch, wenn dadurch ein mutmaßlicher Massenmörder einen Pluspunkt für sich verbuchen kann.

Montag, 16. April 2012

Fremdüberschätzung

Ein iranischer Koran, Arabisch mit Persischer Übersetzung.
Der Koran soll endlich mal hierzulande unters Volk gebracht werden. Nicht nur ein, zwei Büchlein, 25 Millionen haben die Salafisten angekündigt zu verteilen. Eine Stolze Summe. Bei 81,8 Millionen Einwohnern schreibt die Neue Zürcher Zeitung sogar von einem Drittel aller Deutschen, die damit erreicht würden. Von denen die lesen können, versteht sich. Wo ist der Fehler? Genau, wer will behaupten, in diesem Land könnten 75 Millionen Menschen lesen und schreiben?

Nehmen wir mal die Fakten. Die Universität Hamburg hat 2011 herausgefunden, dass in Deutschland zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung nicht lesen können und ganze 14 Prozent funktionale Analphabeten sind. Das zusammen sind neun Millionen Analphabeten alleine in Deutschland. Und die Zahlen scheinen eher niedrig gegriffen zu sein. Aber selbst wenn sie stimmen, dann reichen die 25 Millionen Koranexemplare ja immerhin für fast die Hälfte aller Deutschen. Das Problem: Wer soll den Koran überhaupt lesen, wer verstehen können?

Das Bildungsbürgertum könnte ihn lesen und zumindest zum Teil auch verstehen. Alleine, sie wollen ihn wahrscheinlich gar nicht lesen. Dann kommen die, die für die sinnlose Ideologie der Salafisten vielleicht anfällig sind. Da muss man aber davon ausgehen, dass die zu einem nicht unbedeutenden Teil zu den funktionalen Analphabeten gehören. Die fallen also größtenteils aus. Und die, die nicht dazu gehören, sind wahrscheinlich zu schlicht und zu dumm, das Werk zu verstehen. Wer also soll den Koran lesen und sich davon dann bekehren lassen?

Bleiben noch zwei Fragen zu klären. Erstens die nicht unwichtige Frage: Was wäre, wenn eine radikale protestantische Kirche die Bibel an unbescholtene Bürger in den Fußgängerzonen verteilen würde? Und zweitens: Wie hoch ist eigentlich der Heizwert eines Koranbüchleins?

Dienstag, 10. April 2012

Anarchische Methoden

Was ist essentiell für jedes legitime Strafsystem auf dieser Welt? Dass der Richter unabhängig ist, sich an Gesetze hält, dass der Angeklagte zu Wort kommt, klar. Und dann gibt es da noch etwas: Dass sich kein Angeklagter selbst belasten muss. Das hört sich zuerst einmal gar nicht mal so wichtig an, ist es aber. Denn wenn ein Angeklagter sich auch selbst belasten soll, wenn er etwas weiß, es aber nicht sagen will, dann muss diese Vorschrift ja auch strafbewehrt sein. Ergo: Man kann den Angeklagten dafür bestrafen, dass er sich nicht selbst einer Straftat bezichtigt. Oder das Ganze pragmatisch zusammengefasst heißt das, ich sperre den Angeklagten so lange ein, bis er mir etwas sagt, mit dem ich ihn lange einsperren kann. Und wenn bloßes Einsperren nicht reicht, dann kann man ja noch ein bisschen nachhelfen - mit freundlichen Grüße von der spanischen Inquisition. Die Katholiken waren da schon immer gut darin, Informationen aus Menschen herauszupressen.

Kein Blogeintrag ohne aktuellen Anlass und den gibt es natürlich auch hier. Die Frau, die was sagen soll, heißt Ramona Fricosu und ist wegen Betrugs angeklagt. Ihr Pech, dass sie in einem Gottesstaat auf der Anklagebank sitzt, genauer in Colorado, USA. Ramona Fricosu drohen 30 Jahre Haft und davor Erzwingungshaft, wenn sie nicht das Passwort ihres Laptops verrät. Nur dort befinden sich auf der Festplatte die Daten, die die Angeklagte hinter Gitter bringen könnten.

Verschlüsselt ist die Festplatte mit Symantec PGP Desktop. Das kleine Programm kostet keine 69 Euro und scheint ziemlich gut zu sein. Die Ermittler haben angegeben, mit dem computergestützten Ausprobieren von Zufallskombinationen könnte es Jahrzehnte dauern, bis das richtige Passwort gefunden wird. Glückwunsch also. eigentlich. Denn es ist davon auszugehen, dass irgend ein Richter sich auf die Bibel beruft, wenn nichts anderes mehr hilft, und Ramona Fricosu jahrelang einsperrt, bis sie irgendwann doch das Passwort rausrückt.

Für einen Staat, dessen Rechtssprechung und Selbstverständnis auf der Bibel basieren, wird's aber vielleicht doch noch interessant. Nämlich genau dann, wenn Ramona Fricosu ihr Passwort einfach vergisst. So etwas kann ja schließlich auch vorkommen. Und dann hilft nicht mal mehr Waterboarding.

Donnerstag, 5. April 2012

Hierarchisches Schlafen

Der mögliche Mörder der kleinen Lena in Emden hat sich - falls er es war - vor Monaten selbst bei der Polizei angezeigt. Wegen des Besitzes von Kinderpornographie. Die Anzeige wurde aufgenommen, bearbeitet, an die zuständige Polizeidienststelle weitergeleitet, dort fertig bearbeitet, eine Durchsuchung beantragt, die wurde im Prinzip gutgeheißen, ein Richter hatte das ganze gestattet mit seiner Unterschrift und dann passierte - nichts. Bis die kleine Lena tot war, manche Medien erst einmal einen unschuldigen 17-Jährigen vorführten, und dann doch noch der jetzige Tatverdächtige gefasst wurde. Und zwar genau der, der sich schon einmal selbst wegen Kinderpornographie angezeigt hatte.

Wie es dazu kam, dass die Ermittlungen in einer Ablage endeten? Keiner weiß es, dabei liegt es auf der Hand, wieso sich nichts weiter tat. Das Versanden von Ermittlungen ist systematisch bedingt in einer Organisation mit straffen hierarchischen Strukturen. Die Organisationsstruktur des öffentlichen Dienstes (und da gehört im weitesten Sinne auch der Beamtenapparat der Polizei dazu) provoziert solche Versäumnisse. Und belohnt sie mitunter sogar.

Wie ist die Polizei, wie ist der Beamtenapparat organisiert? Die dort Beschäftigten sollen arbeiten, funktionieren und das machen, was man ihnen sagt. Streng Hierarchisch werden Befehle von oben nach unten durchgegeben, wenn mal ein Vorschlag in umgekehrter Richtung gemacht werden soll, gibt es dafür ein durch und durch bis ins Detail reglementiertes Prozedere im Vorschlagswesen. Anders gesagt: Vorschläge werden gerne geprüft, vorausgesetzt, der Vorschlagende übertreibt nicht und der Chef findet's gut. Gemacht wird aber trotzdem das, was befohlen wird. Dazu kommt noch, dass in solch hierarchischen Strukturen nur diejenigen eine Chance auf Karriere haben, die sich in das Gefüge einordnen, die nicht denken oder gar aufmucken. Wer keinen Fehler macht und regelmäßig jeden Arbeitsschritt mitteilt, kommt früher oder später hoch. Alle anderen bemühen sich halt, nicht aufzufallen.

Kein Wunder also, dass Polizist A in Emden heilfroh war, als er den Fall an seinen Kollegen B in Aurich abgegeben hatte. Dass dann irgendwo der Durchsuchungsbeschluss verbummelt wurde, wenn man den Aussagen der Bild-Postille glaubt (schweren Herzens), das liegt vermutlich daran, dass Polizist B die Sache zwar bearbeitet hat, dann aber Polizist C für alles weitere zuständig war und deshalb B sich einen Scheiß darum gekümmert hat, schließlich fällt das nicht in sein Aufgabengebiet und er hat ja auch nicht den Auftrag, sich um Vorgänge, die auf anderen Schreibtischen angesiedelt sind, zu kümmern. Ein Versagen, systematisch in den Hierarchien vorgesehen.

Mittwoch, 4. April 2012

Eier, mal wieder

Ok, es ist Ostern und - die Eier werden knapp. Nachdem die Eier-Lobby 40 Jahre lang mit der puren Behauptung erfolgreich war, es gäbe bald keine Eier mehr und die bundesdeutsche Hausfrau in Panik einen Eier-Vorrat kaufte, um an Ostern nicht gänzlich ohne dazustehen, braucht's seit vergangenem Jahr ein bisschen mehr Einfallsreichtum. Schließlich müssen die Eier weg. Und warum das so ist, das lässt sich ja an den Fingern einer Hand abzählen.
Gewöhnliche Ostereier.
Foto: Wikipedia/3268zauber/CC BY-SA 3.0
Genauer gesagt reicht es, bis Vier zu zählen. Denn so lange werden nur mäßig viele Eier abgesetzt - von Karfreitag bis Ostermontag, was aber natürlich nicht daran liegt, dass plötzlich weniger Eier nachgefragt werden, sondern daran, dass die Geschäfte geschlossen sind über die Feiertage und der Samstag das auch nicht weiter rausreißen kann, zumal da ja nochmals Geschenke für die zu Beschenkenden besorgt werden müssen. An Weihnachten ist das Problem übrigens nicht so dringend, denn da wird ja gebacken auf Teufel komm raus. Und dafür werden Eier in rauen Mengen verbraucht. Der Eier-Handel blüht.

Was an Ostern bekanntlich ja auch so ist. Es werden Eier verkauft in rauen Mengen und jetzt sind die Eier gerade so knapp, dass sie im örtlichen Großhandel fertig gekocht und gefärbt für schlappe 13,9 Cent das Stück (zzgl. MwSt.) angeboten werden. Das sieht nicht wirklich nach Verknappung aus. Deshalb müssen andere Beweise her. Zum Beispiel irgendwelche Horrorszenarien, die schon einer einfachen Überprüfung nicht stand halten.

Im vergangenen Jahr sollten die Bio-Eier knapp werden. Wurden sie nicht. Dieses Jahr also die Eier im Ausland. Dort dürften Eier aus konventioneller Käfighaltung nach einer europäischen Richtlinie nicht mehr in den Handel kommen. Die Ausländer kaufen uns die Eier weg und die EU ist schuld. Sehr schön. Als Beweis werden Supermärkte an der bayerisch-tschechischen Grenze angeführt. Dort gibt's pro Person nur noch 20 Eier je Einkauf. Grund: Massenweise Einkäufer aus dem benachbarten Tschechien, wo Eier gerade teuer sind. Knapp sind die Eier nicht. Und die Beschränkung längst wieder gefallen in den meisten Läden. Die musste nur beim Lieferanten mehr Eier bestellen.

Sonntag, 25. März 2012

Zurück zum Thema

Es war ein bisschen ruhiger hier im Blog. Das hat einen einfachen Grund. Ich habe in meiner kostbaren und insgesamt zu knapp bemessenen Freizeit einfach mal ein paar andere Dinge gemacht, als das eine oder andere Posting in die Tastatur zu hämmern. Aber es gibt wichtige, aktuelle Anlässe, die eine sofortige Rückkehr an die Tastatur erfordern. Es hat sich Ungeheuerliches getan, eine Geschichte um Verbrechen, Verleugnung und Feigheit. Die Hauptfiguren: Papst Benedikt XVI., der ehemalige Augsburger Bischof Walter Mixa und der Trierer Bischof Stephan Ackermann.

Walter Mixa, noch als Bischof.
Foto: Dr. Christoph Goldt / CC-BY SA
Der eine war mit ein bisschen Schimpf und Schande aus der Kirche gejagt worden, der Walter Mixa. Zumindest im übertragenen Sinne, er hat irgendwann seine eigene Entlassung aus dem Bischofsamt beim Papst beantragt. Und der ist dieser Bitte natürlich nachgekommen, zu ungeheuerlich waren die Vorwürfe, die im Raum standen. Von Gewalt gegen Kinder war die Rede, Heimkinder habe er geschlagen. Und dann war da noch die Zweckentfremdung von Mitteln, über die verschiedene Medien berichteten. So soll Mixa Geld der "Katholischen Waisenhausstiftung" in Schrobenhausen für Dinge ausgegeben haben, für das es nicht gedacht war. Man sprach von "Unterschlagung", Mixa musste gehen.

Der erzkonservative, der behauptete, die sexuelle Revolution der 1960er und 1970er Jahre sei an den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche Mitschuld, ging ins Kloster, nahm eine Auszeit und ist jetzt wieder da. Mixa ist vom Papst in den "vatikanischen Gesundheitsrat" berufen worden. Da passt er hin mit seiner ewig gestrigen Geisteshaltung. Als ob nichts gewesen wäre. Die Kirche hält ihre Schäfchen zusammen. Und was die Weltlichen sagen, wer will sich daran schon stören?

Das denkt sich wahrscheinlich auch Stephan Ackermann, seines Zeichens seit knapp zwei Jahren Missbrauchsbeauftragter der deutschen Bischofskonferenz. Der hat nichts Besseres zu tun, als in seinem Bistum mehrere pädophile Priester zu beschäftigen. Der Spiegel berichtete darüber und das Bistum hat das bestätigt. Nun muss man Pädophile nicht zwangsläufig aus der Welt verbannen. Aber Ackermann hat die sieben nicht etwa zum Kohleschaufeln oder Geldzählen eingestellt, nein, die sieben pädophilen Priester sind in der Seelsorge tätig. Man muss seine Schäfchen zusammenhalten und auch mal auf die Welt loslassen.

Und die Mitglieder der Kirche machen das, was von ihnen erwartet wird. Beten, Nicken, Spenden. Scheißen müssen sie wahrscheinlich auch ab und zu mal.

Freitag, 17. Februar 2012

Weiber ohne Alt

Altweiberfasching. Er hat Altweiberfasching gesagt. Welch’ Fauxpas! Der letzte närrische Donnerstag heißt Weiberfasching, ganz ohne Alt. Wer den Weibern ein Alt voranstellt, schwächt sie, die mit Scheren bewaffnet stark sind wie nie. Ein Exkurs in die Tiefen der Prosodie der deutschen Sprache. Wer mitreden will, spricht die Beispiele laut und deutlich aus. Am besten im stillen Kämmerlein oder umgeben von Eingeweihten.

Normalerweise wird in der deutschen Sprache die Auftaktsilbe eines Wortes betont. Bei Weiber zum Beispiel sind die -ber nur ein Anhängsel am Wei-. Ebenso beim Fa-sching oder bei der Zei-tung. Gehen wir eine Stufe weiter, zum zusammengesetzten Wort. Dort richtet sich die Betonung nach dem wichtigeren Wort. Man könnte mit einem Karnevalisten trefflich darüber diskutieren, ob die Weiber wirklich wichtiger als der Fasching sind. Tatsache ist auf jeden Fall, dass meist die Luft schon etwas knapp wird, den gut betonten Wei-bern folgt also ein etwas kurzatmigeres Fa-sching.
Ganz anders verhält es sich aber, wenn einem Wort, also unserem Weiberfasching, ein Präfix oder Suffix mitgegeben wird, also eine Vor- oder Nachsilbe. Aus dem Bä-cker mit betontem Bä- wird eine Bäcker-ei mit betontem -ei. Gleiches bei Namen. Der Hans wird in der Aussprache viel wichtiger, wenn er eine Allianz mit dem Georg eingeht. Im Hansgeorg ist ganz klar der Hans tonangebend.

Und nicht anders ist es, wenn aus dem Weiberfasching ein Altweiberfasching wird. Dann stellt sich zwischen Weiber und Fasching nur noch die Frage, wer von beiden auf den zweiten Platz kommt. Denn die Betonung liegt dann auf dem Alt-.

(aus: Heilbronner Stimme, Nr. 39, 17. Februar 2012, Seite 29)

Donnerstag, 16. Februar 2012

Lacht sie aus!

Der Mittlere Schlosspark in Stuttgart ist geräumt worden. So ganz ohne Blutvergießen, ohne Wasserwerfer, so ganz ohne großes Geschrei. Die Polizei hat deeskaliert, sich zurückgehalten, um die zarten Pflänzchen der Gattung Parkschützer unbeschädigt aus seinem neuen Biotop umzusiedeln. Zwei Helden haben sich sogar einbetoniert. Man hätte sie einfach verpflanzen können, wie es immer für die Bäume gefordert wird. Ausgraben, in die Wilhelma fahren, dort wieder einsetzen, kräftig gießen, ein Schild hinstellen "Wutbürger, 2010-2012, nahezu ausgestorben".

Mann hätte ihn natürlich auch einfach ausrotten können, den Wutbürger. Wäre auch nicht besonders schwer gewesen in diesen Tagen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hätte kräftiges Gießen schon vollkommen ausgereicht. Und wer hätte schon widersprochen, wenn man diese Demokratieverweigerer, diese Möchtegern-Diktatoren einfach hätte eingehen lassen? Nichts gegen Protest, aber alles mit Maß und Ziel. Und nach der Volksabstimmung im November vergangenen Jahres war das Maß voll und das Ziel erreicht. Aber wie das mit politisch Engstirnigen eben so ist, sie wollten es nicht wahrhaben. Zum Diktator hat's dann doch nicht gereicht, die meisten Diktatoren sind nämlich nicht doof. Im Gegensatz zu - Sie wissen schon!

Andererseits will ich hier eine Lanze für den Wutbürger aus dem Stuttgarter Schlosspark brechen. Denn das arme, verwirrte Geschöpf hat ja auch ein Recht zu leben. und so sollten wir Demokraten die Fehlgeleitete am Leben lassen. Ein guter Demokrat kennt seine Feinde und die der Demokratie. Aber so lange sie so ein lächerlicher Haufen sind, so lange sollten sie uns kein Kopfzerbrechen bereiten. Lachen wir sie doch einfach aus! Was sonst haben sie verdient?

Sonntag, 12. Februar 2012

Mein Freund mit der Propaganda

Wenn's um die Verurteilung von Straftätern geht, dann wünscht sich Volkes Seele dass "die anderen" richtig hart rangenommen werden. Wenn es dann um schwere Verbrechen geht, schwankt die Meinung dann oft nur noch zwischen "Aufhängen", "für immer Wegsperren" und "Kastrieren". Da wird der Rechtsstaat gerne mal vergessen, die Unabhängigkeit der Justiz als überflüssig abgekanzelt und auch nicht so genau hingeschaut, wer denn da auf der Anklagebank sitzt, was er gemacht hat. Der Urtrieb des "Auge um Auge, Zahn um Zahn", wie er noch heute das rückständige christlich-fundamentale Rechtssystem der USA bestimmt, gewinnt die Oberhand. Das ist nicht neu, das nutzen die Yellow-Press-Medien ganz gezielt. Und neben anderen Populisten in großem Stile die NPD und die ihr angeschlossenen Institutionen.

Und sie machen natürlich alles richtig. Da schmeißt ein brauner Club, der sich auch bei Facebook eingenistet ha, unter dem schlagkräftigen Titel "Keine Gnade für Kinderschänder" in regelmäßigen Abständen Fotomontagen oder Fotos mit Aussagen auf den Markt und alle teilen die dann immer ganz schnell. Wer bei Facebook ist, kennt Sachen wie diese folgende Bildkombi:

Links der Apfel, rechts die Birne. Oder umgekehrt. (Screenshot)

Dass dabei nach allen Regeln der Kunst Propaganda für die braune Sache gemacht wird, dass dahinter Nazis stehen - bleibt den meisten verborgen, wer nur mal schnell die Aussagen liest und die Hintergründe nicht hinterfragt - teilt es an seiner Facebook-Pinnwand und viele finden es toll. Die, die nachdenken, findes es entweder lästig, peinlich, dass Bekannte so etwas teilen, oder sind wütend, weil da Werbung für Nazis gemacht wird. Herzlichen Glückwunsch!

Mal an diesem einen konkreten Beispiel die Aufklärung. Kim Schmitz (rechts im Foto) wurde in Neuseeland festgenommen, die USA haben seine Auslieferung beantragt. Ihm drohen wegen gewerbsmäßigem verstoß gegen das Urheberrecht (und wahrscheinlich noch peer anderen Delikten, die ihm zur Last gelegt werden) in den USA bis zu 20 Jahre Haft. Der Kinderschänder links im Bild wurde in Deutschland verurteilt. Weshalb, das steht ja dabei. Fehler schon gefunden? Der eine wurde nach den Gesetzen eines aufgeklärten Staates verurteilt, nachdem ihm mindestens zwei Jahre, höchstens zehn Jahre Haft drohen (schwerer sexueller Missbrauch von Minderjährigen, §§ 176, 176a StGB), dem anderen (Kim Schmitz) droht die Verurteilung in einem Staat mit archaischem Rechtssystem. In Deutschland drohten ihm für den gewerbsmäßigen Verstoß gegen das Urheberrecht maximal fünf Jahre Haft (§ 108a UrHG).

Das ist also, als ob man Äpfel mit Birnen vergleicht. Aber ist ja nicht so wichtig, recht haben sie! Egal ob BILD, die NPD oder einfach nur Nazis, sie fangen ihre Anhänger mit plumper Propaganda. Und die fallen in Massen darauf herein. Selbsttätiges Denken hilft manchmal weiter.